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Warum du Ziel-Fetischisten den Stinkefinger zeigen solltest

Warum du Ziel-Fetischisten den Stinkefinger zeigen solltest

Axel Maluschka     17. November 2016     0

Der Typ läuft rot an. Du glaubst, Dampfwölkchen aus seinen Ohren pfeifen zu sehen.

„Wir hatten das klar vereinbart!“, kreischt er.

„Ja“, sagst du ruhig, „nur war es unrealistisch, das Ziel zu erreichen .“

„Ich will keine Ausreden hören!“ Er steht kurz vor der Kernschmelze.

Er klebt am vereinbarten Ziel, egal wie sich das Leben geändert hat. Er ist ein Ziel-Fetischist.

So können Ziel-Konflikte entstehen.

Wie gehst du mit so einem Menschen um? Wie bleibst du beim Ziel-Streit gelassen?

Heute erfährst du:

  • Was mir in einer düsteren Zeit das Leben gerettet hat.
  • Warum Ziele wichtig sind, das Erreichen jedoch nicht lebensnotwendig ist.
  • Warum die alte SMART-Formel unnütz ist.
  • Wie ich aus Zwang-Zielen Wünsche mache und diese gelassen anstrebe.

Viel Spaß beim Hören!


Shownotes


Alle Folgen von „Konflikt-Power aufs Ohr“ findest du hier.


Transkript

Mein Name ist Maluschka, Axel Maluschka.

Ja, du ahnst schon, warum ich diesen schneidigen Einstieg gewählt habe. Auch wenn er nicht ganz so gut rüber kommt wie im Film, dafür hat mein Name zu viele Silben, aber wir sind in Episode 007.

Und du hörst nach wie vor den Podcast Konflikt-Power aufs Ohr.

Du erfährst hier ganz nebenbei, wie du Konflikte nach moderner James-Bond-Manier löst. Und modern meint hier den letzten Bond Spectre.

Achtung Spoileralarm!

Am Ende des Films hat Bond seinen Erzfeind Blofeld nicht vernichtet, sondern nur verhaftet.

Diese Charakterentwicklung soll für uns ein Vorbild sein.

Wie besiege ich den Bösewicht, ohne ihn zu vernichten?

Diesmal geht um das Thema Ziele.

Warum solltest du nicht krampfhaft an ihnen festhalten?

Warum solltest du loslassen lernen?

Und wann ist es am besten, dies zu tun?

Ich wünsche dir viel Spaß mit der heutigen Folge, Musik ab.

[Musik]

Stell dir vor, auf einer dunklen Straße ist ein einsames Auto unterwegs. Der junge Mann in dem Auto fühlt sich genauso düster wie die Strecke, die vor ihm liegt.

Der 23jährige findet sein Studium langweilig, hat keine Freundin, ist einsam und ohne Lebensaufgabe. Alles ist trostlos.

So fühlte ich mich 1995, meinem düstersten Jahr.

Ich arbeitete für ein Sicherheitsunternehmen und musste zwecks Kontrolle von Objekt zu Objekt fahren. Der Gedanke, auf der Autobahn ruckartig am Lenkrad zu drehen, erschien mir zeitweise reizvoll, was ich glücklicherweise nicht in die Tat umsetzte, da mir so viele wundervolle Momente entgangen wären.

Ich war voller Trauer und sah in meinem Dasein keinen Sinn mehr. Plötzlich kam aus heiterem Himmel die Rettung. Ich fand zwei Ziele, zu denen ich mich entschied.

Ein Kollege hat mich zur Kampfkunst gebracht. Und ich wollte Schriftsteller werden, hatte ich doch in meiner Jugend bereits Schreibversuche unternommen. Im Herbst 1995 schrieb ich mich für einen Fernkurs über das Handwerk des Schreibens ein.

Diese zwei Lebensziele zu setzen, den Schwarzen Gürtel zu erreichen und von der Schriftstellerei leben zu können, haben mir die rettende Motivation verschafft.

Warum ich dennoch gegen verbissene Ziele bin

Wenn mich diese Ziele gerettet haben, warum bin dann wie angedeutet gegen diese Ziele-Fetischisten?

Nur eins der beiden Ziele habe ich erreicht, ich habe den Schwarzen Gürtel gemacht, 17 Jahre nachdem ich zu trainieren begonnen hatte.

Auf meinem Budo-Weg war mir im Laufe der Zeit das Erreichen dieses Ziels, die Farbe des Gürtels, irgendwelche Streifen, gar nicht mehr so wichtig. Für mich zählte vielmehr schließlich, was jemand konkret kann, was er auf der Matte kann, wie fit er ist.

Viele Kampfstile habe ich mir angeschaut und wesentlich seltener Prüfungen abgelegt als meine Trainingskollegen.

Erst nach 15 Jahren brachte mich mein Trainer dazu, auch nach außen meine erworbenen Fähigkeiten zu dokumentieren. Und so machte ich vor 4 Jahren den 1. Dan.

Romane zu schreiben und als Bestseller-Autor von den Tantiemen zu leben hingegen, habe ich nicht erreicht.

Nachdem der erste Roman in einem kleinen Verlag veröffentlicht wurde, ist mir schließlich beim Verfassen des dritten Romans die Lust am Schreiben abhandengekommen.

Interessant ist dabei folgendes: In meiner Phantasie sah ich mich in dieser Zeit immer wieder mal auf einer Bühne sitzen und vor vielen Menschen mein Werk vortragen. Und dies ist eingetroffen, heute stehe ich tatsächlich auf Bühnen und rede zu Menschen.

Ich habe meinen Traum, meine Vorstellung, also realisiert, doch anders als ich es gedacht hatte.

Überdies bin ich extrem dankbar, dass ich mir das Ziel der Schriftstellerei gesteckt hatte. Erstens schreibe ich heute tatsächlich gerne und zweitens hat es sich positiv auf meine verbalen Fähigkeiten ausgewirkt.

Und in dem Sinne habe ich für mich gelernt, dass es zwar gut und wichtig ist, Ziele zu haben, es haben nicht so wichtig ist, sie exakt zu erreichen.

Was sind Ziele dann?

Ziele sind ein Kompass.

Mögliche aufkommende Zielkonflikte verlieren dadurch ihre Schärfe. Die Richtung ist es, worauf es ankommt und dass man dahin aufbricht.

Auch wenn die Zielrichtung mit jener eines anderen Menschen kollidieren sollte, bleibe ich mit dieser Haltung gelassen.

Könnte ich mit mir selbst, wie ich vor fünf Jahren war, in Austausch treten, dann gäbe es garantiert Diskussion, dachte ich doch damals, Ziele müssten nach der Smart-Formel umrissen werden.

Also

  • spezifisch,
  • messbar,
  • attraktiv,
  • das t steht für terminierbar und
  • das r meint realistisch.

In meiner NLP-basierten Business-Coach-Ausbildung wurde mir dies so beigebracht.

Heutzutage glaube ich:

Starr formulierte Ziele basieren auf Mangel.

Das Ziel ist ein Soll-Zustand, das Hier und Jetzt ein Ist-Zustand, und dazwischen klafft eine Lücke. Und du konzentrierst dich auf diesen Mangel.

Bekanntlich macht es nun nicht sonderlich Spaß, sich auf etwas Negatives zu konzentrieren.

Selbstverständlich kann die Visualisierung der Erreichung von Zielen förderlich und sinnstiftend sein.

Doch ich präferiere es, statt auf Mangel und Zwang den Fokus nur noch das Motivierende zu richten.

Was motiviert?

Dabei habe ich für mich 2 Ziele heraus kristallisiert, denen ich alles unterordne:

  1. Ich will überleben und
  2. Ich will dabei möglichst glücklich sein.

Alles andere sind Zwischenziele, bei denen ich locker und gelassen sein kann.

Ganz konkret: Ich schaue auf das Gute, das ich schon erreicht habe.

Der Effekt besteht darin, dass ich mein Unterbewusstsein beruhige, und gleichzeitig mich darauf freue, noch ein wenig mehr in Richtung meines Ziels erreichen zu wollen, wobei ich mich gut und glücklich fühle. Mit dieser Strategie fahre ich in allen Lebensbereichen verdammt gut.

Ein Beispiel hierfür: Du und jemand anderes stehen in einem Zielkonflikt. In einer früheren Podcastfolge ging es einmal um eine Honorarverhandlung. Der künftige Kunde will bei dir kaufen, nur halt nicht ganz zu deinem Preis. Du willst für deine Trainings einen Tagessatz von 2000 €. Deine Kunde will maximal 1300 € bezahlen, vielleicht wegen interner Firmenvorgaben.

Was erreichst du wohl, wenn du ganz verbissen auf deinem Tagessatz beharrst?

Und was erreichst du, wenn du dir sagst, 1300 € ist ja auch schon recht ordentlich und gerade dadurch ganz spielerisch in die Verhandlung hinein gehst?

Wenn du den Druck herausnimmst?

Du findest so viel eher Lösungen mit deinem Kunden, die für beide gleichermaßen zufriedenstellend sind. Und du erhöhst die Wahrscheinlichkeit, dass du dich weiter in Richtung deines Tagessatzes von 2000€ bewegst, als wenn du von Anfang an darauf beharrst.

Zu inneren Zielkonflikten.

Nehmen wir an, du hast zwei Ziele, die gleichermaßen attraktiv für dich sind, und du kannst dich nicht entscheiden.

Glücklicherweise kommt dies nur noch selten bei mir vor und wenn, dann handelt es sich um eher kleinere Geschichten.

Na ja, vielleicht noch, wenn mein Wecker klingelt bzw. zwitschert. In diesem Zusammenhang verlinke ich euch einen Artikel meines Trainer-Kollegen Jörg Unkrig zum Thema „Gesunder Schlaf“.

Nur so viel an dieser Stelle: mein Wecker zwitschert, die Vögel singen, er leuchtet auf und simuliert einen Sonnenaufgang. Seither werde ich nicht mehr aus dem Schlaf gerissen und starte deutlich angenehmer in den Tag.

Also, mein Wecker zwitschert, und ich habe zwei Ziele, die im Konflikt miteinander stehen.

Erstens: ich möchte mein Schlafpensum erfüllen und noch eine halbe Stunde liegen bleiben.

Zweitens: ich möchte pünktlich bei meinem Auftraggeber sein, möchte dadurch meinen Auftrag behalten und letztendlich weiter meinen Umsatz machen. Ich will überleben.

Ich überlege mir nun, dass Pünktlichkeit genau genommen gar nicht so wichtig ist. Denn solange ich nicht ständig unpünktlich erscheine, verliere ich bei entsprechender Entschuldigung nicht den Auftrag, dies sagt mir meine Erfahrung.

Und selbst wenn ich den Auftrag verlieren sollte, würde ich trotzdem noch in Deutschland überleben, auch wenn ich dann beschämt das Jobcenter in Anspruch nehmen müsste.

Auf diese Weise nehme ich den Zwang aus der Sache. Ich stehe auf, weil ich halt aufstehen kann, und weil ich es will. Das ist der entscheidende Punkt. Und plötzlich ist es auch kein Problem mehr.

Dies führt dazu, dass ich dadurch sogar häufig viel früher aufstehe, als ich es müsste.

Ergo, du kannst deine Ziele und das mit ihnen Verknüpfte viel besser erreichen, wenn du ihnen die zwanghafte Schärfe nimmst und sie stattdessen als einen Wunsch definierst.

Wie sieht das nun mit Zielen in Unternehmen aus?

Bernd Geropp hat sich in seinem wunderbaren Podcast Führung auf den Punkt gebracht in einer Folge auch dem Thema Ziele in Unternehmen gewidmet.

Sein Fazit:

Ziele müssen sein, damit die Mitarbeiter an einem Strang ziehen.

Es sei aber ineffizient, wenn diese Ziele auf einen längeren Zeitraum wie etwa 3-5 Jahre hin angelegt sind.

Je kurzfristiger Ziele angesetzt sind, desto detaillierter sollten sie ausgearbeitet sein.

Auch sei es laut Geropp wichtig, das Warum eines Ziels im Unternehmen zu klären, denn dies gebe den Mitarbeitern erst die Motivation.

Meinen eigenen Artikel hierzu Erfolgreich werden - Der wichtigste Baustein in deinem Unternehmen werde ich verlinken.

An anderer Stelle verweist Geropp auf den Artikel Du brauchst keine Ziele im Leben von Katrin Linzbach, in dem sie eine Pro und Contra Liste erstellt, aus der sich ersehen lässt, dass dich Ziele nicht nur unnötig unter Druck setzen, sondern auch deine Wahrnehmung einengen.

In meinen Worten: Du marschierst einen Weg entlang und siehst überhaupt nicht die vielen schönen Blumen am Wegesrand.

Und damit sind wir beim dritten Punkt, dem Leben.

Deine Ziele interessieren das Leben nicht

Das Leben hält sich nämlich selten an deine detaillierten Pläne.

Du magst zwar deinen Fokus ganz nach vorne richten, doch verpasst darüber viele schönen Dinge und das Leben an sich.

Du solltest also besser in deinen Zielen flexibel sein. Wie ein Seemann von einst, der sich beim Ansteuern seiner Ziele auch nach den Winden richten muss.

Ein paar abschließende Bemerkungen:

Work-Life Balance halte ich für unsinnig.

Man kann und sollte Leben und Arbeit nicht so klar voneinander trennen.

Und wenn du mit Ziele-Fetischisten zu tun hast, bleibe gelassen und mache dich nicht zu deren Sklaven.

Ein Spruch aus meiner Business-Coach-Ausbildung lautet:

Probleme sind auf dem Kopf stehende Ziele.

Ziele werden aus den Problemen heraus gearbeitet.

Im Umkehrschluss würde dies also bedeuten:

Wenn ich keine Ziele habe, habe ich auch keine Probleme.

Etwas abgemilderter und ausgewogener formuliert:

Probleme sind auf dem Kopf stehende Ziele, die du einfach zu wichtig nimmst.

Ich wünsche dir Spaß beim Auflösen deiner Zielkonflikte und beim Anstreben deiner Ziele.

Falls du kommentieren willst: den Link zur heutigen Episode findest du unter maluschka.com/007.

Und nochmal zur Erinnerung: du bekommst von mir ein Buch mit persönlicher Widmung, wenn du mir bei iTunes eine Rezension und ein paar Sternchen hinterlässt.

Bis zur nächsten Folge.


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