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Wofür werden Mitarbeiter bezahlt?

Wofür werden Mitarbeiter bezahlt?

Axel Maluschka     02. April 2012     0

»Das frage ich mich manchmal auch«, würde sicher so mancher Chef im vertraulichen Gespräch antworten. »Dafür, dass ich morgens aufstehe«, denken wahrscheinlich viele Angestellte. Doch diese verbal leichthin entschlüpften Empfindungen gehen der Frage nicht auf den Grund, wenngleich sie womöglich oftmals mehr Wahrheit beinhalten, als Chefs und Mitarbeitern lieb sein dürfte.

Suchen wir seriöse Antworten! Der Mitarbeiter wird bezahlt, damit er seine Aufgaben bearbeitet. Er soll Ergebnisse liefern. Der Mitarbeiter könnte antworten, dass er im Gegenzug für seinen Verdienst der Firma (in Vertretung des Chefs) seine Zeit, seine Energien und seine Kompetenzen zur Verfügung stellt. Verfolgen wir diese Antworten, bedeuten diese übersetzt, dass die Kompetenzen genutzt werden, um Ergebnisse zu erzielen respektive Aufgaben zu erledigen. (Das hatten wir schon). Bleiben die Themen Energie und Zeit.

Definition

Ein Mitarbeiter wird dafür bezahlt, dass er nicht mehr frei über seine Zeit verfügt. Oder er seine Freiheiten einschränkt. Er wird dafür bezahlt, dass er seine Energien dem Unternehmen und dessen Zielen widmet. Im besten Fall ist der Mitarbeiter intrinsisch motiviert, weil er die Ziele seines Arbeitgebers gut findet oder sich gar damit identifiziert. Doch wie oft ist dies der Fall. (Und wie oft werden die wahren Ziele des Unternehmens aufrichtig kommuniziert? Und wie oft kennt sie die Unternehmensleitung selbst?)

Was genau heißt Energie geben? Physikalisch würde man wieder sagen, Energie ist das Potenzial, Arbeit in bestimmter Zeit zu verrichten. Doch gehen wir ein wenig weg vom Wort Arbeit und ersetzen Energie durch Wörter, die mehr an das persönliche Lebensgefühl erinnern: Stimmung, Selbstbestimmung, Befindlichkeit und Anspannung. Hier nähern wir uns meines Erachtens dem wahren Kern. Was genau tausche ich als Angestellter und Auftragnehmer für das Gehalt und die Bezahlung?

Ich entscheide mich gegen die Möglichkeit, das zu tun, worauf ich lieber Lust hätte (wenn es so etwas gibt). Ich verzichte auf Lustgewinn zugunsten der Möglichkeiten, die mir das zu verdienende Geld bietet. Und oft ist es heutzutage so, dass wir Menschen stundenlang vor Bildschirmen hocken oder monotone Tätigkeiten verrichten. Für all das sind wir grundsätzlich nicht geschaffen. Auf Dauer macht es uns krank (erst recht, wenn die Arbeitsplätze nie ergonomisch und gesundheitlich optimiert wurden und eine gesundheitsfördernde Stimmung in der Firma herrscht). Demzufolge tausche ich auch Gesundheit gegen Geld.

Natürlich sollte man die Nebeneffekte des Arbeitens nicht vergessen. Ich bin meist unter Menschen, an die mich dann irgendetwas bindet – und sei es das gemeinsame Ziel oder das gemeinsame Leid unter dem fiesen Chef. Ich erlebe Regeln, Klarheit, Routinen und Rituale – bestenfalls Struktur – die sich im diffusen Nebel der selbstbestimmten Zeit so schnell nicht finden und entwickeln ließen. Ich kann lernen und mich entwickeln, was natürlich auch ohne pekuniären Anreiz machbar ist. Letztlich tun wir‘s meistens und vordergründig fürs Geld – das Arbeiten.

Führen wir oben stehenden Gedanken zu Ende: Der Mitarbeiter verzichtet auf Teile seiner bestehenden Freiheit, auf Lustgewinn und meist auf Gesundheit. All dies führt im Allgemeinen zu schlechterer Stimmung. Er tauscht – auf der persönlichen Ebene – Stimmung gegen Geld. Dabei hofft er, dass es für ihn ein gutes Geschäft wird. (Die weiterführende Frage wäre, wie wir Arbeit prinzipiell so gestalten könnten, dass sie meistens eine gute Stimmung bei allen Beteiligten erzeugte. Doch dieser eher philosophischen Frage nachzugehen würde den heutigen Rahmen sprengen und ist eine gesonderte Betrachtung wert.) Wann hat das Tauschgeschäft Geld gegen Stimmung für den Mitarbeiter die Chance, lohnend zu werden?

Wann lohnt sich Arbeit?

Prinzipiell dann, wenn der Chef gut ist, um eine Binsenweisheit zu bemühen. Wenn der Chef reflektiert, wofür seine Leute bezahlt werden, und er dies transparent macht. Ehrlichkeit ist dabei angesagt. Ja, viele Mitarbeiter werden für Arbeiten bezahlt, die die Führungsebene nicht ausführen will oder kann. (Dafür haben die Chefs wiederum andere Aufgaben, denen ein unerfahrener oder weniger qualifizierter Mitarbeiter noch nicht nachgehen könnte.) Ja, die Mitarbeiter werden oft auch bezahlt, um das Machtstreben verschiedener Führungskräfte Realität werden zu lassen.

Drei weitere Bedingungen fallen mir ein, wenn ich der Frage nachgehe, wie Erwerbsarbeit sich prinzipiell besser anfühlt. Die Freiheit der Mitarbeiter wird im Rahmen des Möglichen maximiert. Die Firmenziele werden transparent gemacht. Und die persönlichen Ziele werden womöglich in Einklang mit den Unternehmenszielen gebracht respektive daraufhin überprüft, ob das funktionieren kann.

Denn letztlich dient Arbeit den meisten von uns dem Lebensunterhalt. Und was ist die wahre Währung des Lebens? Nur die eigene Stimmung.

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